Dieser Roman ist
im amerikanischen Südwesten angesiedelt, eine
Region, die hierzulande häufig etwas stiefmütterlich
behandelt wird. Oberflächliche Reisende assoziieren
sie in der Regel nur mit dem Grand Canyon und dem Monument
Valley - zweifellos spektakuläre Naturwunder,
die man gesehen haben muss. Aber entscheidend ist:
Hier befindet sich das Land der Navajo, die größte
Indianerreservation der USA mit einem Volk von 170.000
bis 200.000 Angehörigen. Die Geschichte der Navajo
spiegelt die ganze Tragik der indianischen Unterwerfung
wider, aber sie sind ein stolzes, ein zähes und
ein traditionsbewusstes Volk. Wer das Land der Navajo
besucht, der geht nicht unbeeindruckt.
Helma Marsall hat hier eine spannende Kriminalgeschichte angesiedelt. Ein junger
FBI-Agent wird beauftrag, den seltsamen Tod von zwei Männern aufzuklären.
In Verdacht gerät der Navajo Ayateh. Auf der Suche nach der Wahrheit kommt
es zu einer freundschaftlichen Verbindung zwischen diesen beiden unterschiedlichen
Männern. Dabei offenbaren sich tief greifende Mentalitätsunterschiede,
die zu tragischen Missverständnissen führen. Ayateh steht im Bann böser
Mächte, und nur der Tod scheint für ihn die Lösung aller Probleme
zu sein.
Die Autorin lässt Mystik und Realität im indianischen Reservationsleben
miteinander verschmelzen.
Die Geschichte wird getragen vom Wissen um die Philosophie und Weltsicht eines
Indianervolkes, das sich aus der Unterwerfung im 19. Jahrhundert wieder emporgekämpft
hat.
Eine einfühlsam erzählte, packende Geschichte, die nicht nur unterhält,
sondern eindringlich das Leben in einer uns sehr fernen Welt beschreibt, deren
Alltag Probleme aufwirft, die uns in Europa fremd und unwirklich scheinen. Eine
hervorragende erzählerische Leistung.
Dietmar Kuegler |